Videos effizient mit Final Cut Pro X ausspielen

Am Ende eines langen Schnitt-Tages steht das Ausspielen des fertigen Clips: als Vorschau für die Abnahme, für das Einstellen ins CMS, oder das Hochladen auf Youtube, Vimeo, Facebook und Co. Hier geht es darum, wie man diesen Prozess effizienter gestalten kann. Mit dem richtigen Setup können Sie jeden Tag eine halbe Stunde früher nach Hause gehen.

Szenario: ausspielen … warten … konvertieren … warten … hochladen …

In einem typischen Szenario folgt nach dem abgeschlossenen Schnitt ein Prozess bestehend aus dem Ausspielen in einem oder mehreren Video-Formaten, eventuell ein umkodieren in weitere Formate und das Kopieren oder Hochladen der entsprechenden Dateien an die internen und externen Zielorte. Diese Schritte müssen nacheinander ausgeführt werden, was bedeutet, dass man nach dem Beenden der eigentlichen Arbeit der Postproduktion relativ lange darauf wartet, bis die einzelnen Arbeitsschritte abgeschlossen sind und der nächste Schritt angestossen werden kann.

Mit ein paar einfachen Einstellungen in Final Cut Pro X können wir diesen Prozess weitgehend automatisieren.

Schneller und effizienter durch angepasste Voreinstellungen

Die Erfordernisse an die Video-Formate sind meistens sehr ähnlich, egal ob die Produktion innerhalb der Unternehmenskommunikation oder durch eine Produktionsfirma erfolgt.

Die üblichsten Anforderungen sind:

  1. ein kleiner Vorschau Film-für die Abnahme. Die Datei soll klein sein, damit man sie gut verschicken kann. Sie muss möglichst kompatibel sein und auf allen Rechnern abspielbar sein. Optimale Bildqualität ist nicht so wichtig. Manchmal ist ein eingebrannter Timecode hilfreich, um Änderungswünsche besser besprechen zu können.
  2. Ein Clip in voller Auflösung und hoher Qualität zum Einstellen auf ein Videoportal wie Youtube oder Vimeo. Die Qualität muss so hoch sein, dass durch das erneute Umcodieren durch die Plattform die Qualität nicht beeinträchtigt wird. In vielen Fällen ist dies das finale Lieferformat.
  3. Ein digitaler Master-Clip fürs Archiv. Dieser Clip entspricht häufig den Einstellungen der Kamera oder des Schnittprogramms und repräsentiert die höchste verfügbare Qualität des Ausgangsmaterials. Die Datei ist ungeeignet als Lieferformat, weil sie viel zu groß ist und aufgrund fehlender Codecs auf anderen Computern als dem Schnitt-Rechner oft nicht abspielbar ist.

Voreinstellungen erstellen und Pakete schnüren

Die schnellste Art, Videos auszuspielen, ist über die „Bereitstellen“-Funktion von Final Cut Pro X. Einen Großteil der Arbeit übernimmt die Grafikkarte des Rechners, und das ist deutlich schneller als die anderen Ausspielmethoden, die weiter unten beschrieben werden.

Export direkt aus Final Cut Pro X

In FCP X erstellen wir für jede unserer drei Anforderungen eine Voreinstellung (Preset). Das hat mehrere Vorteile. Zum einen müssen wir die Einstellungen dann nur einmal vornehmen, anstatt jedes Mal aufs neue. Zum anderen vermeiden wir mit einem gut eingestellten Preset Fehler, die wir wahrscheinlich erst nach dem Auspielen und Überprüfen feststellen, und die wir dann erst mit einem erneuten Rausspielen korrigieren können.

Unter dem Menü

Ablage -> Bereitstellen  

finden wir die voreingestellten Presets und dann später auch die selbsterstellten. Neue Voreinstellungen erstellen wir mit

Ablage -> Bereitstellen -> Ziel hinzugügen...  

Zu den Voreinstellungen gelangt man übrigens auch über den Bereitstellen-Button:

Button Bereitstellen in FCP X

Wir greifen Dartei exportieren und ziehen es in nach links in den Bereich der Voreinstellungen. So erzeugen wir eine neue Voreinstellung, die wir nach unseren Wünschen konfigurieren können.

Ziel hinzufügen

Für den kleinen Vorschaufilm passen beispielsweise diese Einstellungen:

Einstellungen Vorschau Film

Nach einem Doppel-Cklick in den Namen des Presets können wir diesen umbenennen. Für den Videoplattform-Film passen diese Einstellungen:

Einstellungen für Video-Plattformen

Für den digitalen Master wählen wir diese Einstellungen:

Einstellungen für digitalen Master

Somit haben wir auf unsere individuellen Bedürfnisse angepasste Voreinstellungen, die wir bei jedem Herausrechnen (playout) verwenden können. Um den Prozess noch effizienter zu machen erstellen wir jetzt ein oder mehrere Pakete, die aus mehreren Einstellungen bestehen. So können wir mit einem Knopfdruck mehrerer Playouts in unterschiedlichen Video-Formaten erstellen.

Der Prozess ist ähnlich: diesmal klicken wir auf Ziel hinzufügen und ziehen das Icon Paket nach links in die Preset-Leiste.

Paket hinzufügen

In dieses neu erstellte Paket können wir jetzt bestehende Presets ziehen oder mit gleichzeitig gedrückter alt-Taste kopieren. Eines dieser Pakete nenne ich beispielsweise final playouts und füge die drei eben erstellten Voreinstellungen hinzu.

Sobald eine Filmversion bereit zum Ausspielen ist, wähle ich das Paket mit den entsprechenden Ausspielformaten, die dann ohne weiter Eingriffe nacheinander im Zielordner erstellt werden:

Playout-Paket auswählen

Wir sehen dann nochmal unsere Einstellungen. Mit den kleinen Pfeilen links unten können wir zwischen den Einstellungen des Pakets wechseln. Wenn unsere Einstellungen stimmen, gibt es hier aber nichts zu tun und wir bestätigen mit Weiter und geben den Speicherort an.

Einstellungen überprüfen

Export mit anderen Tools

Der Export über Bereitstellen direkt aus Final Cut Pro X heraus ist die schnellste Variante. Es gibt Situationen, in denen die Export-Möglichkeiten von Final Cut Pro X nicht ausreichen. Ausserdem ist dieser Weg manchmal die einzige Lösung, wenn Final Cut Pro X beim Export abstürzt. Der Grund dafür liegt meistens in der Verwendung von Plugins von Drittanbietern, die nicht auf die aktuelle Version von Final Cut in Kombination mit der Grafikkarte angepasst sind. In diesem Fall können andere Tools wie Apple Compressor oder MPEG Streamclip eingesetzt werden.

Senden an Apple Compressor

Dazu muss das auszuspielende Projekt geöffnet und selektiert sein. Dann unter

Ablage -> An Compressor senden  

auswählen. In Compressor lassen sich Presets und Pakete ähnlich erstellen wie in Final Cut. Sie bieten aber mehr Einstellmöglichkeiten.

Weiterverarbeitung in anderen Tools

Bei der Erstellung von Voreinstellungen (Presets) können wir auch angeben, was nach dem Export der Datei mit ihr geschehen soll. Dies wird eingestellt unter dem Auswahlfeld Danach. Als Voreinstellung wird die Datei nach dem Export im Quicktime-Player geöffnet. Das könnte man hier abschalten, indem man keine anwählt. Oder aber, man selektiert hier ein anderes Programm, wie zum beispiel MPEG Streamclip. Auch komplexe Skripte können hier ausgewählt werden.

Automatischer Datei-Upload per FTP nach dem Export

Eine besonders interessante Weiterverarbeitung ist der automatische Upload der exportierten Files per FTP auf einen Server, beispielsweise, um die Datei zur Abnahme weiterzureichen. Während Final Cut Pro X bereits in der Werkseinstellung Presets für den upload auf populäre Video-Plattformen wie Youtube, Vimeo, Facebook und CNN iReport anbietet, müssen wir hierzu eine Danach-Aktion in einer Voreinstellung definieren.

Eine Variante besteht beispielsweise darin, in einem der leistungsfähigeren FTP-Programmen, wie beispielsweise Transmit, einen Zielordner als Favoriten-Droplet zu sichern, und dieses als Danach-Aktion auszuwählen. Hinweis: Ein neu erstelltes Droplet muss möglicherweise erst einmal manuell durch Doppelclick geöffnet werden, um Apples Sandbox-Schutzeinrichtung („… kann nicht geöffnet werden, da es von einem nicht verifizierten Entwickler stammt.“) gerecht zu werden.

Fazit

Als Ergebnis haben wir nun einen automatisierten Prozess zum Auspielen und Ausliefern der benötigten Video-Files an interne und externe Partner.

über den Autor

Oliver Wanke berät und coached Unternehmen bei der Produktion und Steuerung von Bewegtbild-Strategien in der Unternehmenskommunikation. Er ist Produzent und Inhaber des Videoproduktionshauses acpp GmbH und doziert zu Themen rund um die Videoproduktion an einer Reihe von Schulungseinrichtungen und Hochschulen.

www.acpp.de, oliver.wanke@acpp.de

Oliver Wanke

https://www.xing.com/profile/Oliver_Wanke