Videos in Intranet und Internet einbinden

Es sollte so einfach sein – und ist doch so schwierig. Die Vorstellung, man könnte ein Video so einfach wie ein Bild in die Webseite integrieren – hochladen, ein paar Zeilen Code einfügen, fertig – entspricht leider nicht ganz der Realität. Die Stolpersteine heißen Kompatibilität und Performance.

Wer Videos auf seiner Webseite im Internet oder Intranet einbinden möchte, steht vor einigen Entscheidungen.

Kompatibilität

Leider versteht nicht jeder Web-Browser die gleiche Sprache in Bezug auf Video-Formate und Codecs. Daran ändert auch HTML5 erst einmal nichts. Es gibt derzeit kein Video-Dateiformat, das von allen wichtigen Browsern (Internet Explorer, Chrome, Firefox, Safari, Safari für iPhone/iPad) verstanden wird.

Hier die Kontrahenden:

  • flash – läuft beinahe überall, aber nicht auf iPhone/iPad
  • mp4 (H.264) – derzeit die beste Wahl, soll aber künftig von Google Chrome nicht mehr unterstützt werden
  • Ogg Theora – läuft nicht auf Internet Explorer und Safari
  • WebM – läuft nicht auf Safari

Das bedeutet: egal in welchem Format die Videos eingestellt werden, es wird immer Besucher geben, die die Filme nicht abspielen können.

Eine Lösung ist nun, die Videos in allen 4 Formaten zu hinterlegen und die unterschiedlichen Browser mit einem jeweils kompatiblen Format zu bedienen. Wie das technisch mit HTML5 geht, steht sehr schön hier beschrieben. Praktischer ist die Verwendung eines kommerziellen oder kostenlosen Players wie VideoJS, SublimeVideo, Projekktor, FlowPlayer oder Akamai’s Open Video Player.

Selbst jetzt ist noch nicht sichergestellt, dass die Videos auch ankommen, da manche Firewalls Dienste deaktivieren, die der Player benötigt, wie zum Beispiel Java Script, oder Eingangstore, sogenannte Ports, abriegeln.

Performance

Wie kommen nun die Videos von ihrem Platz auf dem Server zum Betrachter? Ist der Server und im Fall eines Intranets die gesamte Netz-Infrastruktur in der Lage, die Videos in ausreichender Geschwindigkeit durch das Netz zu befördern? Im wesentlichen geht es um die Faktoren Datenvolumen – denn Videofiles sind groß – und die Anzahl der gleichzeitigen Zugriffe, die maximal zu erwarten sind.

Je nach Setup gibt es unterschiedliche Szenarien:

  • der Server wird von einem Web-Hosting-Anbieter betrieben: eventuell ist der Wechsel in einen größeren Datenplan erforderlich. Möglicherweise bringt der Wechsel von einem Shared-Server-Plan auf einen Dedicated-Server-Plan eine höhere Leistung für mehr gleichzeitige Zugriffe
  • der Server wird intern betrieben: hier wird es komplizierter. In manchen Fällen genügt eine Änderung der Konfiguration, um das Netz auf Video einzustimmen. In anderen Fällen bietet es sich an Caching-Server oder spezielle Media-Content-Server ins Netz einzubinden, um die Last, zum Beispiel auch zwischen Standorten, zu reduzieren.

Das erste Problem besteht darin, dass es äußerst schwierig ist, die zu erwartende Belastung richtig einzuschätzen. Deshalb ist ein effektives Monitoring wichtig, um rechtzeitig Maßnahmen ergreifen zu können, falls die Nachfrage höher ausfällt als erwartet.

Externe Lösungen

Angesichts der Komplexität, Videos im Netz kompatibel und performant auszuliefern stellt sich die Frage, ob es nicht vielleicht günstiger ist, auf spezialisierte Dienstleister wie Brightcove, MovingImage24, T-Systems Multimedia SolutionsVzaar oder jetzt auch Vimeo Pro zu setzen. Sie bieten je nach Bedarf alles vom Upload-Portal über die Konvertierung in unterschiedliche Ausgabe-Formate, Player, Content-Delivery-Networks, bis hin zur Verschlüsselung sensibler Inhalte. Sie verfügen über skalierbare Infrastruktur und weltweit verteilte Server.

Der Ablauf ist dann folgender: die Video-Files werden über ein Upload-Portal auf den Server des Dienstleisters übertragen. Dort findet man dann ein Code-Snippet, das man in seine Webseite einbindet. Das wars. Konvertierung in die verschiedenen Formate und performante Auslieferung über auf Video optimierte Server übernimmt der Dienstleister. Die Kosten sind abhängig von den Anforderungen und liegen zwischen ein paar Euro und ein paar Tausend Euro im Monat.

Im Prinzip könnte man dafür auch Dienste wie YouTube nutzen, doch die sind nicht auf Business-Kunden ausgelegt. Es spricht vieles dafür, Videos auch auf YouTube zu verbreiten, aber es gibt einige Gründe die dagegen sprechen, über YouTube das primäre Hosting von Video-Inhalten zu betreiben.

Fazit

Unternehmen, die Videos auf Seiten ihres Internets oder Intranets einbinden wollen müssen folgende Fragen beantworten:

  • Server: intern oder extern?
  • Kompatibilität: wie hoch ist der Anspruch an Kompatibilität hinsichtlich mobiler Endgeräte und Firewalls?
  • Player: Programmieren, kaufen oder Teil eines Dienstleister-Pakets?
  • Video-Konvertierung: selbst in verschiedene Formate konvertieren oder Teil eines Dienstleister-Pakets?
  • Know-How encoding: intern vorhanden, Schulung oder Aufgabe des Dienstleisters?

Oliver Wanke – acpp GmbH blog.acpp.de twitter.com/owanke

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